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Die FAZ bietet auf ihrem Online-Portal ein umfassendes Börsenlexikon. BörseHintergründe Eine Börse dient der zeitlichen und örtlichen Konzentration des Handels von fungiblen Gütern unter beaufsichtigter Preisbildung. Ziele sind eine gesteigerte Markttransparenz für Wertpapiere, die Steigerung der Effizienz und der Marktliquidität, die Verringerung der Transaktionskosten sowie der Schutz vor Manipulationen. Anders als im so genannten außerbörslichen Handel „over the counter“ (OTC-Handel) wird börslicher Handel börsenaufsichtsrechtlich durch staatliche Aufsichtsämter (In Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)), sowie durch die Handelsüberwachungsstellen der Börsen kontrolliert. Durch den in der ISO 10383 geregelten Market Identifier Code ist jede Börse genau wie jede andere Handelsplattform weltweit eindeutig identifizierbar. Für An- und Verkäufer von Finanzprodukten übernehmen die Börsen die wichtige Funktion der zentralen Gegenpartei (Central counterparty). Namensherkunft Der Begriff Börse im Sinne eines Geldbeutels stammt vom mittellateinischen bursa „Ledertasche, Geldsäckchen“ ab, das letztlich auf altgriechisch βύρσα (býrsa) zurückgeht, das abgezogene Tierhaut, bzw. Fell bezeichnete. Von der Antike bis zum Mittelalter lässt sich also ein Bedeutungswandel vom Material zum daraus bestehenden Behältnis an sich feststellen. Die Bezeichnung der Börse als eines Treffpunktes für Händler entstand zur Zeit des europäischen Frühkapitalismus im 16. Jahrhundert. Die in Brügge ansässige Kaufmannsfamilie van der B(e)urse deren Familienname auf drei Geldbeutel in ihrem Wappen zurückgeht, unterhielt in ihrem Haus regelmäßig stattfindende geschäftliche Zusammenkünfte mit — vor allem italienischen — Kaufleuten. So ging das niederländische Wort borse vom Haus über auf die Treffen selbst und wurde in den darauffolgenden Jahren auch in anderen europäischen Sprachen übernommen, wo es noch heute gebraucht wird, so frz. bourse, dän. børs, ital. borsa, dt. Börse u.a.[1][2] Börsenarten Warenbörsen zum Handel von Waren, vor allem importierten und heimischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen waren die ersten Börsenarten. Später entstanden spezialisierte Produktbörsen und Spezialbörsen, die sich auf bestimmte Welthandelsgüter, wie Edelmetalle oder Kaffee spezialisierten. Terminbörsen oder Warenterminbörsen, an denen Warentermingeschäfte abgewickelt und mit Derivaten gehandelt wird. Wertpapierbörsen oder Aktienbörsen (die Bezeichnung Börse wird oft synonym für diese spezielle Form von Börsen gebraucht) für den Handel mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren Devisenbörsen für den Handel von Fremdwährungen Weiter existieren börsenähnlich organisierte Märkte, beispielsweise Dienstleistungsbörsen für Geschäfte im Verkehrs- und Versicherungsbereich, zum Beispiel Schifffahrtsbörsen. Börsenformen Die klassische Form der Börse ist die Präsenzbörse (auch Parketthandel genannt). Dort treffen sich die Makler in persona und schließen durch Gespräche ihre Geschäfte ab. Dies geschieht entweder im Eigenhandel oder im Auftrag ihrer Kunden. Bei Computerbörsen wie dem Handelssystem Xetra übernimmt ein Computerprogramm die Berechnungen und die Kommunikation. Hier werden Eingaben über Computermasken gemacht, das Computersystem wickelt den Handel ab und errechnet die Kurse (z. B. den Tagesdurchschnitt). Der Hauptanteil des Umsatzes wird gegenwärtig weltweit über computergestützte Börsen abgewickelt, wobei teilweise die Makler selbst am Bildschirm sitzen. Die Definition der Börsenformen erfolgt dabei oft anhand der gehandelten Gegenstände: Wertpapiere (Wertpapierbörse) Waren, Produkte und Rohstoffe Devisen Dienstleistungen Derivate Elektrischer Strom (Strombörse – eine spezielle Art einer Terminbörse) CO2 und andere EmissionenFür die Abwicklung von Lieferung und Zahlung haben sich zwischen den Marktteilnehmern teilweise nicht-kodifizierte (festgeschriebene) Usancen gebildet. Daneben wurden in der letzten Zeit in Deutschland auch Anweisungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht über die Mindestanforderungen im Handel mit Wertpapieren veröffentlicht (z. B. Aktien oder Obligationen). Börsenpflichtblätter Verschiedene Kapitalmarktregeln verlangen eine Publikation bestimmter Vorgänge, die für das Börsengeschehen relevant sind. Börsennotierte Unternehmen und Wertpapieremittenten müssen alle Bekanntmachungen, die gesetzlich vorgeschrieben sind, in den Pflichtblättern der entsprechenden Börsen veröffentlichen. Die Zulassungsstelle einer Börse bestimmt mindestens drei inländische Tageszeitungen mit überregionaler Verbreitung als überregionale Börsenpflichtblätter.[3] Daneben kann sie weitere (regionale) Börsenpflichtblätter benennen. Die Frankfurter Wertpapierbörse[4] und die deutschen Regionalbörsen haben die folgenden sieben überregionalen Börsenpflichtblätter für die Jahre 2007 und 2008 festgelegt: Börsen-Zeitung Financial Times Deutschland Frankfurter Allgemeine Zeitung Frankfurter Rundschau Handelsblatt Süddeutsche Zeitung Die WeltZu den Pflichtblättern der Frankfurter Wertpapierbörse gehört zudem das Finanz-Fachblatt Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen. Handelsformen Nach Handelsformen kategorisiert können folgende Arten von Börsen unterschieden werden: die Market-Maker-Börse, die Auktionsbörse, sowie hybride Formen, wie z. B. Fortlaufender Handel kombiniert mit Auktionen.Frühere Formen waren: a la criée: Die Kauf- und Verkaufsaufträge werden durch gegenseitige Zurufe getätigt.Nach Art der Abwicklung des Handels: Termingeschäfte und Kassageschäfte.Eine weitere Unterscheidung ist nach der Art des Börsenhandels: Handelszeiten Bei den Handelszeiten an allen Börsen wird unterschieden zwischen dem Parketthandel und dem Computerhandel (wie zum Beispiel Xetra). Kleinere Börsen verfügen oftmals nur über den Parketthandel. Der Parketthandel beginnt an den Börsen Frankfurt und Stuttgart um 09:00 Uhr Ortszeit, an den Börsen Berlin, Düsseldorf und München um 8:00 Uhr. Er endet um 20:00 Uhr Ortszeit, auf Xetra bereits um 17:30 Uhr Ortszeit. Wichtige Handelsplätze International bedeutende Börsenplätze sind Nach Marktkapitalisierung und Handelsumsätzen gemessen ist der wichtigste Handelsverbund für den CEE-Raum die CEE Stock Exchange Group. Danach folgt die polnische Warschauer Börse, die bezüglich der Marktkapitalisierung bereits größer ist als die Wiener Börse – betrachtet man diese eigenständig. Die weltweiten Börsen sind mit einem täglichen Transaktionsvolumen von etwa 2 Billionen US-Dollar ein entscheidender Faktor der Weltwirtschaft. Börsenplatz Deutschland In Deutschland gibt es acht Wertpapierbörsen, eine Devisenbörse, eine Wertpapierterminbörse und eine Warenterminbörse. Die wichtigste Börse in Deutschland ist die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB), einschließlich der elektronischen Handelsplattformen Xetra und Eurex. Ein Großteil des Aktienhandels in Deutschland wird über die FWB und Xetra abgewickelt (März 2008: Anteil am Handel mit deutschen Aktien rund 98 Prozent, bei ausländischen Aktien rund 84 Prozent[5]). Ausgehend vom Handel mit Sorten und Wechselbriefen im 16. und 17. Jahrhundert und dem ab 1820 beginnenden Aktienhandel hat sich die FWB seitdem zu einem der führenden internationalen Handelsplätze für Aktien und Anleihen entwickelt. Träger und Betreiber ist die Deutsche Börse AG. Außerdem gibt es in Deutschland noch sieben weitere Wertpapierbörsen (die bis auf Tradegate und European Energy Exchange auch als Regionalbörsen bezeichnet werden). Unter diesen ist die Börse Stuttgart (Baden-Württembergische Wertpapierbörse) mit einem durchschnittlichen Orderanteil von 34 Prozent des deutschen Parketthandels (Januar bis September 2009) zweitgrößter Handelsplatz. Von besonderer Bedeutung ist der Handel von verbrieften Derivaten, wie Optionsscheinen (EUWAX). An den Wertpapierbörsen in Hamburg und Hannover, die unter der gemeinsamen Träger- und Betreibergesellschaft Börsen AG den dritten Rang der deutschen Börsen einnehmen, nimmt hingegen der Fondshandel eine bedeutende Stellung ein. Nach Auflösung der Bremer Börse 2007 bestehen außer der Börse in Frankfurt noch folgende deutsche Börsen: Börse Berlin Börse Düsseldorf Hamburger Börse (u. a. Hanseatische Wertpapierbörse im Rahmen der BÖAG Börsen AG) Börse Hannover (Gemeinsame Börsen AG Hamburg-Hannover) Börse München Börse Stuttgart Tradegate Exchange, Berlin European Energy Exchange, Leipzig1897 gab es noch folgende Börsen in Deutschland: Berlin, Breslau, Danzig, Düsseldorf, Elbing, Essen, Frankfurt am Main, Gleiwitz, Halle an der Saale, Königsberg, Magdeburg, Memel, Posen, Stettin (alle Preußen), München, Augsburg (Bayern), Leipzig, Dresden, Zwickau, Chemnitz (Sachsen), Stuttgart (Württemberg), Mannheim (Baden), Mülhausen, Straßburg (Elsaß-Lothringen), Bremen, Hamburg, Lübeck.[6] Die Nationalsozialisten standen freien Märkten und Börsen kritisch gegenüber.1934 wurden die bisher 21 deutschen Börsen zu 9 Börsen zusammengefasst: Berlin, Breslau, Hannover Stuttgart, Hamburg (Bremen und Lübeck gingen in dieser Börse auf), die Sächsische oder Mitteldeutsche Börse in Leipzig (Dresden, Zwickau, Halle und Chemnitz gingen in dieser Börse auf), die Rheinisch-westfälische Börse in Düsseldorf (Essen und Köln gingen in dieser Börse auf), die Rhein-Mainische Börse in Frankfurt (mit Mannheim) und die Bayerische Börse in München (mit Augsburg).[7] Börsenplatz USA Die wichtigsten Börsen in den USA sind die NYSE Amex (früher American Stock Exchange), die Chicago Mercantile Exchange (CME), die National Association of Securities Dealers Automated Quotations (NASDAQ), die New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die New York Stock Exchange (NYSE). Historische Entwicklung Gründungen einzelner Börsen Die erste Börse wurde 1531 in Antwerpen gegründet, die Augsburger Börse entstand 1540 als erste in Deutschland. Das erste offizielle Börsengebäude der Welt wurde 1613 in Amsterdam eröffnet. Land Name der Börse Gründungsjahr (Quelle) Anmerkungen Belgien Börse Brügge 1409[8] Seit 1531 gibt es auch ein festes Gebäude[9] Belgien Börse Antwerpen 1460[8] Frankreich Börse Lyon 1540 (ungefähr)[10] Deutschland Augsburger Börse 1540[8] Deutschland Börse Nürnberg 1540[8] Deutschland Kölner Börse 1553 Deutschland Hamburger Börse 1558 Großbritannien London Stock Exchange 1571, 23. Januar gegründet als Royal Exchange (London) Deutschland Frankfurter Wertpapierbörse 1585[8] Deutschland Bremer Börse 1620 Erste urkundliche Erwähnung; ab 1682 Wertpapierbörse[11] Niederlande Amsterdam Stock Exchange 1613[12] Beschluss zum Bau der Börse im Jahr 1607, Eröffnung 1613 Dänemark Kopenhagener Börse 1639 wurde von König Christian dem Vierten 1639 erbaut Deutschland Leipziger Handelsbörse 1679 Frankreich Pariser Börse 1724, 24. September[10] Russland St. Petersburger Börse (Birzha) 1731 Holzgebäude, 1810 Neubau in Stein Deutschland Berliner Börse 1731 Portugal Lisbon Stock Exchange 1769, 1. Januar[13] Österreich Wiener Börse 1771 USA New Yorker Börse 1792, 17. Mai Irland Irish Stock Exchange 1793 Belgien Brussels Stock Exchange 1801, 2. Juli[14] Italien Mailänder Börse 1808, 15. Februar Polen Warschauer Börse 1817, 12. Mai[15] Norwegen Osloer Börse 1819 Deutschland Börse München 1830 Spanien Madrid Stock Exchange 1831, 10. September[16] Indien Calcutta Stock Exchange 1830er USA American Stock Exchange 1842 Brasilien Rio de Janeiro Stock Exchange 1845 Mexiko Bolsa Mexicana de Valores 1850 erster Handel 1850 Schweiz Börse Genf 1850 Argentinien Buenos Aires Stock Exchange 1854 Schweiz Börse Zürich 1855 Tschechien Börse Prag 1861 Erster Handel in der Produktenhalle Kolumbien Colombia Stock Exchange 1861 Ungarn Budapester Börse 1864 Schweiz Börse Basel 1866 Türkei İstanbul Menkul Kıymetler Borsası 1866 gegründet als Dersaadet Securities Exchange Kanada Montreal Exchange 1832 Griechenland Athens Stock Exchange 1876 Vorgängerinstitut gegründet 1870 USA Chicago Stock Exchange 1882, 21. März Schweiz Berner Börsenverein 1884, 10. November Südafrika Johannesburg Stock Exchange 1887 Ägypten Alexandria Stock Exchange 1888 Brasilien São Paulo Stock Exchange 1890[17] Spanien Bilbao Stock Exchange 1890 Chile Santiago Stock Exchange 1893[18] Serbien Beogradska berza (Belgrade Stock Exchange) 1894 Ägypten Cairo Stock Exchange 1903 Kanada Vancouver Stock Exchange 1907 Finnland Helsinki Stock Exchange 1912 Luxemburg Luxembourg Stock Exchange 1929 Venezuela Caracas Stock Exchange 1947 Japan Börse Tokio 1949, 1. April Nigeria Nigeria Stock Exchange 1960 Kolumbien Medellin Stock Exchange 1961 USA Nasdaq 1971, 8. Februar Peru Bolsa De Valores De Lima (BVL) 1971 Bermuda Bermuda Stock Exchange (BSX) 1971[19] Mauritius Mauritius Stock Exchange 1978 Slowenien Ljubljana Stock Exchange 1989, 26. Dezember Ungarn Budapest Stock Exchange 1990 China Shanghai Stock Exchange (SSE) 1990, 26. November Republik Malta Malta Stock Exchange 1991, 24. Januar Jordanien Amman Stock Exchange 1999, Januar[20] Zypern Cyprus Stock Exchange 1996, 29. MärzFusionen und Übernahmen 1973, Fusion aller britischen Börsen zur London Stock Exchange 1995, Fusion der Börsen Genf, Basel und Zürich zur SIX Swiss Exchange (ohne Berner Börse) 1995, Fusion der London Stock Exchange mit der Irish Stock Exchange 1. Dezember 1999, Gründung der Singapore Exchange Limited (SGX) durch Fusion der Börsen Stock Exchange of Singapore (SES) und Singapore International Monetary Exchange (SIMEX)[21] Dezember 2006, Übernahme der Euronext durch die NYSE und Umfirmierung zur NYSE Euronext Bedeutende Börsenereignisse → Hauptartikel: Börsenkrach
Im Jahr 1929 geschah der heftigste Krach an der Wall Street am „Black Monday“ – Montag, dem 28. Oktober 1929. Der Dow Jones Industrial Average fiel von 298,97 auf 260,64 Punkte. Im Oktober 1929 hat es viele schwarze Tage an der Wall Street gegeben, ein schwarzer Freitag war aber nicht dabei. Freitag, der 25. Oktober 1929, wird fälschlicherweise oft als „Schwarzer Freitag“ bezeichnet; an dem Tag legte der Dow Jones Industrial Average jedoch 1,75 Punkte zu.
Im Jahr 1997 ereignete sich die Asien-Krise. Die Schwellenländer hielten künstlich den Wert ihrer Währung hoch bis das System einbrach und die Verluste an der Börse in Hongkong etwa 40 % betrugen. Der Start der Krise erfolgte durch die Abwertung der thailändischen Währung.
Bis März im Jahr 2000 stiegen die Aktien der sogenannten New-Technology-Branche. Ab diesem Zeitpunkt platzte die Dotcom-Blase, wodurch Aktionäre mehr als 200 Milliarden Euro verloren haben.
Durch die anhaltende Finanzkrise ab 2007 und mehreren Bankenpleiten kam es im September 2008 zu bedeutenden Kursrutschen. Neben dem Aussetzen einzelner Werte setzte unter anderem die Russische Börse mehrmals den Handel komplett aus.
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